Die Geschichte des Underdog Recordstore in Köln

Wie alles begann…

Alles begann 1997 in einem kleinen, schlauchförmigen Laden an der Kölner Ritterstraße – gleich gegenüber vom Branchenriesen Saturn, der am Hansaring mit der größten CD-Sammlung der Welt warb. Doch mit Eröffnung des Underdog Recordstore bewegte sich plötzlich auch abseits des Mainstreams etwas in der Stadt: Punk-, Hardcore- und Emo-Platten verdienter Labels wie Dischord, Revelation, Kill Rockstars, Epitaph, Alternative Tentacles, Victory, Ebullition, Trustkill oder SST (aber auch unzählige kleine DIY-Labels sowie Platten aus den Bereichen Garage-Sounds, 60’s sowie eine kleine Independent-Auswahl) wanderten hier über die Ladentheke. Und trotz anfänglicher Unkenrufe hat der Underdog Recordstore durchgehalten und bietet den Kunden nach 20 Jahren mehr „schwarzes Gold“ denn je an.

Parallel zu seinem Laden nahm Gründer Lars Hoffmann vor 20 Jahren auch seine Veranstaltertätigkeit auf. In der Bar des gerade neu eröffneten Gebäude 9 fanden bereits ab April 1997 die ersten Hardcore- und Emokonzerte statt. Auftritte von Bands wie The Get Up Kids oder Hot Water Music sind heute legendär. Plattenladen und Konzerte wuchsen und schnell arbeite Hoffmann auch mit anderen Venues wie dem Underground, dem Rhenania, dem Bürgerhaus Stollwerck oder dem BÜZE Ehrenfeld zusammen. Spektakulär wie legendär in Erinnerung geblieben ist aus dieser Zeit der Kölner Emo-Doppelgipfel an einem Wochenende im September 1999 mit dem ersten europäischen Auftritt von Jimmy Eat World und Hot Water Music. Plötzlich war Köln Konzert-Hochburg für Hardcore- und Emo-Musik. Bands wie The International Noise Conspiracy oder At The Drive-In wurden in Köln zuerst von Lars Hoffmann und dem Underground Recordstore veranstaltet.

Zur Jahrtausendwende platzten die Regale in dem kleinen Laden aus allen Nähten – doch Abhilfe war nicht weit. Und so zog der Underground Recordstore in ein leer stehendes Ladenlokal im Nachbarhaus – dorthin, wo er sich auch heute noch befindet, Ritterstraße 52.

Die neuen räumlichen Möglichkeiten und die frisch entflammte Liebe von Lars Hoffmann zum Indierock sorgten für eine massive Aufstockung des Indie/Post-Punk Bereiches, der fortan mit dem selben Enthusiasmus gepflegt wurde und eine friedliche Koexistenz mit Punk, Metal und Hardcore führte. Diese Entwicklung kam gerade rechtzeitig zum Boom der neuen amerikanischen und vor allem britischen Indie-Musik, angestoßen von Bands wie den Strokes oder Franz Ferdinand.

Der Underdog Recordstore ist in einer Zeit eröffnet worden, in dem Vinyl nur noch in kleinsten Nischen existierte. Der Verkauf von CDs war daher viele Jahre unumgänglich. Das 2014 steht für die Umkehrung dieser Entwicklung und markiert ein weiteres einschneidendes Jahr in der Historie des Plattenladens, der diesem Namen von nun an im besten Sinne gerecht wurde: Lars Hoffmann verzichtete auf den Verkauf der digitalen Tonträger und stellte ausschließlich Vinyl in die Regale. Rund 20.000 Platten hat er ständig verfügbar – von Single bis Boxset, von Neuerscheinung bis Repress.

Neben dem Laden und den Konzerten wird auch das Plattenlabel Defiance Records von Hoffmann in Köln betrieben. Mit den Veröffentlichungen der Aachener Emo-/Indie-Band PALE sowie Lizensierungen von amerikanischen Releases namhafter Acts wie Coheed & Cambria oder Jimmy Eat World ist das Label auch bei einem größeren Publikum bekannt geworden. Höhepunkt in der Geschichte von Defiance Records war das Signing der Band Portugal.The Man, die mit ihrem außergewöhnlichen Progressive-Indie-Stil in der Presse frenetisch gefeiert wurde und mit ihrem zweiten Album „Church Mouth“ von 2007 die erste Platzierung einer Defiance-Veröffentlichung in den deutschen Album-Charts erreichte. Getoppt wurde diese Platzierung 2009 noch durch PTMs Meisterwerk  „The Satanic Satanist“, das sich 2 Wochen in den Top 100 hielt.

Parallel wurden auch die Underdog-Konzerte vielseitiger und nochmals größer. Von Singer-Songwriter Highlights in Kinosesseln (Rocky Votoalato 2007) über Post-Rock-Epen in Kirchensälen (Explosions In The Sky 2008) bis hin zu ausverkauften E-Werk/ Palladium-Shows von The Gaslight Anthem, The Gossip und Kettcar – die Bandbreite ist enorm. Folgerichtig ist der Underdog Recordstore offizielle Vorverkaufsstelle für Kölner Clubs wie Gebäude 9, Underground, Tsunami, Blue Shell oder Sonic Ballroom sowie für Tickets in ganz Deutschland.

Was als kleiner Hardcore/Punk-Laden startete, hat sich nach 20 Jahren  zum Garanten für eine exquisite Auswahl an Gitarrenmusik aus den Genres Indie, Hardcore, Metal, Punk in Köln entwickelt. Beeindruckend ist vor allem auch das Backprogramm, dass neben den wöchentlichen Neuheiten bis in’s Detail gepflegt wird. Durch die eigene Liebe zur Musik und die Vielseitigkeit als Plattenladen, Plattenlabel und Konzertveranstalter haben es Lars Hoffmann und seine Mitarbeiter über die Jahre hinweg geschafft, glaubwürdig und integer zu bleiben, und dadurch eine enge Kundennähe geschaffen. Denn nur aus einer bestimmten Überzeugung heraus konnten Musikbusiness-Krise und illegalen Downloads tapfer getrotzt werden: Wirkliche Plattenladenatmosphäre kann man nicht downloaden – die Kundschaft des Underdog Recordstore weiß das!